Panikattacken: häufiger, als viele denken
- NeuroCes™ Deutschland
- 10. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Jedes Jahr am 10. Juli ist Panic Awareness Day – ein internationaler Aktionstag, der über Panikattacken aufklären und die Stigmatisierung rund um das Thema abbauen möchte. Denn obwohl Panikattacken sehr häufig sind, werden sie oft missverstanden – von Außenstehenden, aber auch von den Betroffenen selbst.
Viele Menschen erleben eine Panikattacke, ohne zu verstehen, was gerade mit ihnen geschieht. Das plötzliche Herzrasen, die Enge in der Brust, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren – all das kann zutiefst verunsichern. Ein Tag wie dieser ist ein guter Anlass, das Thema greifbarer zu machen und einen Teil der Unsicherheit zu nehmen, die viele damit verbinden.

Was passiert bei einer Panikattacke?
Eine Panikattacke ist eine plötzlich einsetzende Welle intensiver Angst oder starken Unbehagens – oft ohne erkennbaren Anlass. Innerhalb weniger Minuten erreicht sie ihren Höhepunkt und klingt danach meist von selbst wieder ab.
Betroffene berichten von körperlichen Symptomen, die sich sehr real und bedrohlich anfühlen: Herzrasen, Enge oder Schmerzen in der Brust, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schwitzen oder ein Kribbeln in Armen und Beinen. Hinzu kommen oft seelische Empfindungen wie das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, oder ein Eindruck von Unwirklichkeit. Weil viele dieser Symptome denen eines Herzinfarkts ähneln, fürchten Betroffene nicht selten, ernsthaft krank zu sein – und suchen den Notruf oder die Notaufnahme auf.
Wichtig zu wissen: So überwältigend eine Panikattacke sich anfühlt – gefährlich ist sie in aller Regel nicht. Der Körper durchläuft eine heftige, aber vorübergehende Stressreaktion.
Häufiger als gedacht: Zahlen und Fakten
Panikattacken sind weit verbreiteter, als viele annehmen. Schätzungen zufolge erlebt jedes Jahr mindestens jeder zehnte Erwachsene eine Panikattacke, und bis zu 20 Prozent der Menschen machen mindestens einmal im Leben diese Erfahrung.
Eine einzelne Panikattacke ist dabei noch keine Erkrankung. Von einer Panikstörung sprechen Fachleute erst, wenn Panikattacken wiederholt und unerwartet auftreten und sich zusätzlich eine anhaltende „Angst vor der Angst" entwickelt – die sogenannte Erwartungsangst. Betroffene fürchten dann die nächste Attacke so sehr, dass sie beginnen, bestimmte Orte oder Situationen zu meiden.
In Deutschland sind etwa zwei von hundert Erwachsenen pro Jahr von einer Panikstörung betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer.
Auffällig ist außerdem: Angststörungen werden seit Jahren zunehmend diagnostiziert – zwischen 2012 und 2024 stiegen die Diagnosen deutlich. Fachleute führen das auch darauf zurück, dass mehr Menschen sich Hilfe suchen und offener über psychische Belastungen sprechen. Hier setzt der Panic Awareness Day an.
Warum entsteht eine Panikattacke?
Hinter einer Panikattacke steckt im Kern ein uralter Schutzmechanismus: die Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Bei echter Gefahr versetzt der Körper sich blitzschnell in Alarmbereitschaft – das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, die Muskeln spannen an. Bei einer Panikattacke läuft diese Reaktion ab, obwohl keine reale Bedrohung vorliegt. Der Körper reagiert also richtig – nur zur falschen Zeit.
Warum das geschieht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Häufig spielen anhaltender Stress, belastende Lebensereignisse oder eine allgemein erhöhte Anspannung eine Rolle. Manchmal gibt es einen klaren Auslöser, manchmal tritt eine Attacke scheinbar aus dem Nichts auf.
Besonders belastend wird es, wenn sich ein Kreislauf einstellt: Wer einmal eine Panikattacke erlebt hat, achtet stärker auf Körpersignale und fürchtet die nächste Attacke. Diese Anspannung kann eine erneute Attacke wahrscheinlicher machen – ein Teufelskreis, der sich mit Verständnis und Unterstützung aber durchbrechen lässt.

Ansätze im Umgang mit Panikattacken
Panikattacken sind gut erforscht, und für den Umgang mit ihnen haben sich verschiedene Wege etabliert. Welcher davon passt, ist individuell verschieden – die einen profitieren von dem einen Ansatz, die anderen von einem anderen, oft auch von einer Kombination.
Zu den etablierten und gut dokumentierten Möglichkeiten zählt die Psychotherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie. In bestimmten Fällen verordnen Ärztinnen und Ärzte Medikamente. Daneben nutzen viele Menschen ergänzend Ansätze zur Beruhigung des Nervensystems – etwa Atem- und Entspannungsübungen oder Achtsamkeit.
Ein weiterer, nicht-medikamentöser Ansatz ist die craniale Elektrostimulation (CES). Dabei werden über zwei Ohrclip-Elektroden am Ohrläppchen sehr schwache, kaum spürbare Impulse abgegeben. EEG- und bildgebende Studien zeigen, dass diese Stimulation die Aktivität in Hirnregionen moduliert, die an der Regulation von Stimmung, Stress und Anspannung beteiligt sind. Das tragbare Medizinprodukt NeuroCes™ ist zur Anwendung bei Angststörungen, Schlaflosigkeit und Depression bestimmt, medikamentenfrei und gut verträglich.
Obwohl Panikattacken und Angststörungen in der Regel gut behandelbar sind, nehmen Erhebungen zufolge nur etwa vier von zehn Betroffenen überhaupt eine Behandlung in Anspruch, und bis dahin vergehen oft Jahre. Ein Grund dafür: Viele schildern beim Arzt zuerst die körperlichen Beschwerden und sprechen seltener von der Angst dahinter.
Fazit: Awareness als erster Schritt
Panikattacken gehören zu den häufigsten Erfahrungen im Bereich der psychischen Gesundheit. Sie sind weder ein Zeichen von Schwäche noch ein seltenes Randphänomen – Millionen Menschen kennen sie, und niemand muss sich dafür schämen.
Genau darum geht es am Panic Awareness Day: das Phänomen verständlich machen, die Stigmatisierung abbauen und zeigen, dass Betroffene damit nicht allein sind. Der vielleicht wichtigste erste Schritt ist zugleich der einfachste und der schwerste: darüber zu sprechen – mit vertrauten Menschen oder mit ärztlicher und therapeutischer Unterstützung. Denn Wissen nimmt der Angst einen Teil ihrer Macht.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Treten Symptome erstmals, stark oder anhaltend auf, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Quellen: MSD Manual (Ausgabe für Patienten); Stiftung Gesundheitswissen; S3-Leitlinie „Behandlung von Angststörungen" (AWMF); Robert Koch-Institut / Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE), Themenheft „Angststörungen"; Feusner, J. D. et al. (2012); Kennerly, R. (2006).



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